Keith Jarrett

Genre jazz, piano, jazz piano, contemporary jazz, ECM

Keith Jarrett (* 8. Mai 1945 in Allentown, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Jazz-Pianist. Jarretts Spiel ist durch weit ausgreifende Soloimprovisationen gekennzeichnet, die in ungewöhnlich umfangreichen Live-Mitschnitten dokumentiert sind (u. a. The Köln Concert, Bremen/Lausanne, The Sun Bear Concerts).

Leben und Werk

Keith Jarrett ist der älteste von fünf Söhnen einer christlich geprägten Familie. Er hatte seit dem dritten Lebensjahr Klavierunterricht und stand als Siebenjähriger zum ersten Mal auf der Bühne. Das "Wunderkind" spielte weitere Konzerte, u.a. auch 1962 ein eigenes, zweistündiges Klavierkonzert, ohne jemals Orchestrierungs- oder Kompositionsunterricht erhalten zu haben. Seine Mutter und er schlugen ein Angebot zur Ausbildung bei Nadia Boulanger in Paris aus. Jarrett verbrachte ein Jahr am Berklee College of Music in Boston, dem er aber - außerordentlich begabt und spieltechnisch versiert - wenig abgewinnen konnte. Schon zuvor begann er als Barpianist seine Laufbahn als Live-Musiker. Anschließend arbeitete er ab 1963 mit bekannten Jazzmusikern wie Chet Baker, Lee Konitz und für längere Zeit mit Art Blakey zusammen. Im Jahr 1966 engagierte ihn der Saxofonist Charles Lloyd für seine Band, mit der er mehrere Europatourneen und auch Auftritte auf wichtigen US-amerikanischen Festivals (Monterey) und im Fillmore West absolvierte. Mitte 1968 gründete er mit dem Bassisten Charlie Haden und dem Schlagzeuger Paul Motian ein eigenes Trio, das er von 1971 bis 1976 durch den Saxofonisten Dewey Redman ergänzte (sogenanntes amerikanisches Quartett).

Ende der 1960er Jahre war Jarrett bereits über Spezialistenkreise hinaus bekannt. Der eigentliche Durchbruch jedoch gelang ihm zunächst als Mitglied der Jazzrockformationen von Miles Davis, wo er zwischen 1969 und 1971 vor allem E-Piano und Elektronische Orgel spielte. Erst im Anschluss trat er auch als Solokünstler auf und spielte Soloplatten ein. Bis zum Jahr 1975 spielte er rund 50 Solo-Konzerte in aller Welt. Aufnahmen wie "Solo Concerts Bremen/Lausanne" (1974) und "The Köln Concert" (1975) dokumentieren dies und gehörten überraschenderweise zu den Bestsellern eines nach Introvertiertheit und Individualismus strebenden Jazzpublikums der siebziger Jahre. Die auf 10 LPs veröffentlichten Aufnahmen von fünf Solo-Auftritten in Japan vor 40 000 Zuhörern wurden 1979 unter dem Titel "Sun Bear Concerts" in einer Kassette veröffentlicht.

Fast zeitgleich brachte ihn sein Produzent Manfred Eicher zu Projekten wie seinem sogenannten europäischen Quartett mit dem Saxofonisten Jan Garbarek und der aus Palle Danielsson und Jon Christensen bestehenden Rhythmusgruppe ("Belonging", 1974, "My Song", 1978). Während der frühen 1970er Jahre besteht bei Jarrett noch eine Offenheit für das Spiel mit anderen Musikern wie Freddie Hubbard, Airto Moreira, Kenny Wheeler ("Gnu High", 1975) und Charlie Haden ("Closeness").

Neben den Aktivitäten im Konzertsaal begann Jarrett auch, sich für klassische Musik und im Jazz unübliche Instrumente zu interessieren. Die Alben "Hymns, Spheres" (1976) und "Invocations – Moth and the Flame" (1979) entstanden an der Riepp-Kirchenorgel in Ottobeuren, die Aufnahme "In the Light" brachte ihn 1973 mit dem Südfunk-Orchester zusammen, "Book of Ways" (1986) präsentierte ihn am Clavichord; die während der folgenden Jahre entstandenen, mehrfach preisgekrönten, bei der Kritik aber dennoch umstrittenen Einspielungen von Johann Sebastian Bachs "Goldberg-Variationen" (1989) und seines "Wohltemperierten Klaviers" (1987/90) spielte er zum Teil auf dem Cembalo ein.

Zu Beginn der 1980er Jahre, nach einer ersten großen persönlichen Krise, belebte er mit der 1983 einsetzenden Serie von Standards-Einspielungen nicht nur das damals verpönte Broadway- und Tin-Pan-Alley-Repertoire wieder, sondern gab durch das Trio mit Gary Peacock am Kontrabass und Jack DeJohnette am Schlagzeug auch dem Klaviertrio-Format neue Impulse. Seitdem folgten zahlreiche, überwiegend live aufgenommene Einspielungen dieser Gruppe, wobei die Schallplattenfirma allerdings auf eine abwechselnde Veröffentlichung mit Solo-Darbietungen (aus Paris 1988, Wien 1991 und Mailand 1995) achtete.

Jarrett litt seit Mitte der 1990er Jahre am chronischen Erschöpfungssyndrom. Erst 1998 konnte er wieder behutsam mit dem Klavierspiel beginnen. Nach der Genesung nahm er das ausdrucksstarke Solo-Album «The Melody at Night, with You» auf, das zunächst nur ein privates Weihnachtsgeschenk für seine zweite Frau Rose Anne war. In einem Interview äußerte Jarrett, jedes Solokonzert sei für ihn etwas ganz Besonderes, weil ihm diese Krankheit klar gemacht habe, dass jedes Konzert sein letztes sein könnte. Das höre man auch seiner Musik an. Er gebe sich sichtlich Mühe, bei seinen neuen Konzerten vollkommen zu spielen und nicht mehr "einfach drauf los" wie bei seinen berühmten Aufnahmen aus den 80er Jahren.

Außerdem setzte er seine internationale Konzerttätigkeit mit seinem Trio fort. Zu den wichtigsten Aufnahmen der neuesten Zeit gehören "Always Let Me Go" (2001), "Up for It" (2002) und die Solo-Doppel-CD "Radiance" (2005).

Die Musik von Keith Jarrett ist, wie er in einem Fernsehinterview 2005 berichtete, geprägt durch die Philosophie und Lehre Georges I. Gurdjieffs, dessen "Sacred Hymns" (ECM) er bereits 1980 veröffentlichte, sowie durch die Beschäftigung mit verschiedenen außermusikalischen Themenbereichen.

Keith Jarretts jüngerer Bruder Chris Jarrett ist ebenfalls Pianist.


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